Das neue Tramdepot von BERNMOBIL
Das neue Tramdepot Bolligenstrasse ist ab der Wendeschlaufe Guisanplatz der Linie 9 via Mingerstrasse und über eine eigene Brücke über die Autobahn A6 Bern-Thun erschlossen. Der Übergang ist so ausgelegt, dass ein späterer Ausbau der Autobahn von vier auf sechs Spuren plus Standstreifen ohne weiteres möglich ist. Ab Ende Oktober geht das Depot in Betrieb, zuerst mit einer Teilflotte, ab Fahrplanwechsel im Dezember wird es voll belegt: Auf sieben Gleisen finden je vier Trams Platz.

Foto: Dominique Uldry
Architektonisches und funktionales Juwel
Das Depot besticht schon von aussen trotz seiner Grösse (202 Meter lang, 45 bis 68 Meter breit und 18 Meter hoch) durch seine Leichtigkeit, die sich im Innern fortsetzt. Der Abstellbereich ist nämlich stützenfrei, die Fassade mehrheitlich aus Glas, das unterbrochen wird von Aluminiumelementen. Der Betrieb auf den total 3‘500 Metern Gleis findet weitgehend automatisiert statt dank dem modernen Betriebshof-Managementsystem. Die Waschanlage sorgt für saubere Fahrzeuge, die Besandungseinrichtung erlaubt ein rasches Auffüllen der Sandvorräte für problemloses Anfahren und Bremsen bei schmierigen und nassen Schienen. Für den Unterhalt über Nacht stehen eine Unterflurgrube und ein Dacharbeitsplatz zur Verfügung.Für die Tramführer und -führerinnen steht innerhalb der Halle ein Betriebsgebäude mit Garderoben, Duschen, Aufenthalts- und Dienstantrittsraum mit Verpflegungsautomaten. Ein Schulungsraum, Büro und Parkplätze für Mitarbeitende vervollständigen die Anlage – die Ersten am Morgen bei
Arbeitsbeginn und die Letzten am Abend bei Betriebsschluss können sich ja selbst nicht auf das Angebot des öffentlichen Verkehrs stützen!
Energiesparend und mit Ausbaupotenzial
Nur das Betriebsgebäude und der Unterhaltsbereich in der isolierten Halle sind geheizt. Selbst bei tiefen Aussentemperaturen bleiben die Trams vor der Kälte aber geschützt. Auf der Dachsüdseite hat Energie Wasser Bern (ewb) eine Photovoltaikanlage mit etwas mehr als zweitausend Quadratmetern Fläche zur Stromerzeugung gebaut. Sie wird Elektrizität für rund sechzig Haushalte liefern.
Das Gelände an der Bolligenstrasse und der Bau des neuen Tramdepots sind so ausgelegt, dass bis zu acht weitere Abstellgleise für bis zu 32 zusätzliche Tramzüge ohne weiteres dazukommen können. Das dürfte dann passieren, wenn die neue Tramlinie Ostermundigen – Köniz Realität wird. Der Abzweiger für die Gleisverbindung über den Pulverweg in die Ostermundigenstrasse ist jedenfalls schon vorbereitet.
suissetraffic auf einen Blick
Besucher der Fachmesse suissetraffic 2011 sind die ersten, die Einblick ins neue Tramdepot Bolligenstrasse erhalten: Ein Pendelbus von BERNMOBIL bringt sie ab der Lounge in Halle 2.0 alle 20 Minuten ins Depot zur Premiere „ÖV-Kommunikation 3.0“ und zu weiteren Ausstellern. Dazu gehört unter anderen ein BERNMOBIL Combino XL-Tram von Siemens auf dem Unterhaltsplatz, der Fahrleitungsbauer Furrer + Frey und ein überlanger Bus-Zug (22,9 Meter) der Carrosserie Hess.
Mit der suissetraffic wird Bern vier Tage lang zur Drehscheibe des öffentlichen Verkehrs. Was in Bahn- und Bustechnologie, Verkehrsinfrastrukturen, Strecken- und Tunnelbau Rang und Namen hat, trifft sich in den Hallen 2 und 3 sowie dem neuen Tramdepot. Rund 170 Aussteller – davon etwa ein Fünftel aus dem EU-Raum - sind vertreten und präsentieren einen umfassenden Querschnitt von Produkten und Dienstleistungen für den öffentlichen Verkehr.